Der Zuckerspeicher in der Kieler Altstadt ist eröffnet. Was für ein schöner Ort ist das geworden! Auf acht Etagen und rund 1.500 Quadratmetern ist mit viel Respekt vor der vorhandenen Bausubstanz ein heller und überraschend offener Ort entstanden. Mit dem historischen Speicher zeigt sich, was möglich ist, wenn ein Denkmal nicht nur saniert, sondern als Stück Stadt neu gedacht wird. Dazu gehörte für uns auch ganz bewusst, den historischen Namen „Zuckerspeicher“ nicht durch eine neue Marke zu ersetzen, sondern ihn zum Ausgangspunkt der Identität zu machen.

Wie wir aus einem geschlossenen Speicher ein Haus für den Kiez gemacht haben
Eine der entscheidenden Ideen war, das Erdgeschoss öffentlich zu denken. So ist dort, wo früher ein innenliegender Laderaum war, heute Stadtraum entstanden. Der Boden des Gehwegs setzt sich mit historischem Mauerwerk als Pflaster direkt in die neu geflieste Passage fort – die selbstbewusst farbig gefliest wurde. Ein echter Hingucker! Am Ende der ehemaligen Kutschendurchfahrt spannt sich ein Lichtbogen, den wir als Verweis auf den früheren Torbogen mitgedacht haben – ein Element, das dem Haus nicht nur ein neues Gesicht gibt, sondern Menschen förmlich in das Haus zieht.

Historie mit Zucker
Auch das Gestaltungskonzept im Inneren folgt dieser Idee. Der Name „Zuckerspeicher“ war für uns nicht nur Bezeichnung, sondern Entwurfsprinzip: Backstein, heller Zementboden und eine klare, robuste Struktur halten die Geschichte des Hauses sichtbar. Im Kontrast dazu stehen die bewusst gesetzten, fast „zuckerigen“ Farb- und Detailmomente. Immer nach dem Motto: Wenn schon, denn schon.

Rechts der Laderaum vor der Sanierung. Links die Visualisierung der umgesetzten Idee mit Lichtbogen und gefliester Passage sowie Zugang zum Bistro.


Italien im Zuckerspeicher
Nach dem Eintreten zeigt sich sofort die neue, zugängliche Haltung des Hauses: Denn links öffnet sich das italienische Bistro "Verace", das durch eine neu geschaffene Treppe überhaupt erst möglich wurde. Maggie Kosteczka und Andrea Silva haben sich hier einen Traum verwirklicht – mit Produkten aus kleinen, familiengeführten Manufakturen, wechselndem Mittagstisch, Kaffee und Feinkost zum Dableiben oder Mitnehmen. Damit ist der Zuckerspeicher nicht nur architektonisch, sondern auch im echten Leben des Kehden-Küter-Kiezes angekommen.

Genau das war uns wichtig: ein Haus, das nicht nur schön aussieht und historischen Charme ausstrahlt, sondern genutzt wird und ein ganz selbstverständlicher Teil seiner Umgebung wird.

Upestate x JES = Alten Speicher als Stadtbaustein denken
Entwickelt hat den "neuen" Zuckerspeicher der inhabergeführte Projektentwickler upestate aus Hamburg. Menschen wie Friedrich Bengelsdorf, Rolf Walzel und Gunnar Zachariassen haben den Ort gemeinsam mit Kieler Akteur:innen weitergedacht. Mit JES Socialtecture waren wir von den ersten Schritten über die strategische Positionierung bis zum Bauantrag an der Seite von upestate. Die Idee, den historischen Namen zu bewahren, den Eingang mit dem Lichtbogen neu zu inszenieren und das Erdgeschoss konsequent öffentlich zu denken, war für die Entwicklung des Zuckerspeichers prägend.

Wir freuen uns darauf, weiter zu verfolgen, wie im Zuckerspeicher von nun an gearbeitet, gegessen, gefeiert – kurz: gelebt –  wird!

Wer in Kiel auf der Suche nach Flächen für Büros, Lofts, Ateliers oder Gastronomie ist, wer gerne italienisch isst oder einfach mal vorbeikommen möchte: Weitere Infos zum Zuckerspeicher gibt es hier.

Gunnar Zachariassen, Friedrich Bengelsdorf, Rolf Walzel (v.l.n.r.) bei der Eröffnung des Zuckerspeichers im Juni 2026.

Fotos: Marc Hohner