22. Juni 2026

Projekt-News: Zuckerspeicher – Vom geschlossenen Gebäude zum Kiezbaustein

Der Zuckerspeicher in der Kieler Altstadt ist eröffnet. Was für ein schöner Ort ist das geworden! Auf acht Etagen und rund 1.500 Quadratmetern ist mit viel Respekt vor der vorhandenen Bausubstanz ein heller und überraschend offener Ort entstanden. Mit dem historischen Speicher zeigt sich, was möglich ist, wenn ein Denkmal nicht nur saniert, sondern als Stück Stadt neu gedacht wird. Dazu gehörte für uns auch ganz bewusst, den historischen Namen „Zuckerspeicher“ nicht durch eine neue Marke zu ersetzen, sondern ihn zum Ausgangspunkt der Identität zu machen.

Wie wir aus einem geschlossenen Speicher ein Haus für den Kiez gemacht haben
Eine der entscheidenden Ideen war, das Erdgeschoss öffentlich zu denken. So ist dort, wo früher ein innenliegender Laderaum war, heute Stadtraum entstanden. Der Boden des Gehwegs setzt sich mit historischem Mauerwerk als Pflaster direkt in die neu geflieste Passage fort – die selbstbewusst farbig gefliest wurde. Ein echter Hingucker! Am Ende der ehemaligen Kutschendurchfahrt spannt sich ein Lichtbogen, den wir als Verweis auf den früheren Torbogen mitgedacht haben – ein Element, das dem Haus nicht nur ein neues Gesicht gibt, sondern Menschen förmlich in das Haus zieht.

Historie mit Zucker
Auch das Gestaltungskonzept im Inneren folgt dieser Idee. Der Name „Zuckerspeicher“ war für uns nicht nur Bezeichnung, sondern Entwurfsprinzip: Backstein, heller Zementboden und eine klare, robuste Struktur halten die Geschichte des Hauses sichtbar. Im Kontrast dazu stehen die bewusst gesetzten, fast „zuckerigen“ Farb- und Detailmomente. Immer nach dem Motto: Wenn schon, denn schon.

Rechts der Laderaum vor der Sanierung. Links die Visualisierung der umgesetzten Idee mit Lichtbogen und gefliester Passage sowie Zugang zum Bistro.


Italien im Zuckerspeicher
Nach dem Eintreten zeigt sich sofort die neue, zugängliche Haltung des Hauses: Denn links öffnet sich das italienische Bistro "Verace", das durch eine neu geschaffene Treppe überhaupt erst möglich wurde. Maggie Kosteczka und Andrea Silva haben sich hier einen Traum verwirklicht – mit Produkten aus kleinen, familiengeführten Manufakturen, wechselndem Mittagstisch, Kaffee und Feinkost zum Dableiben oder Mitnehmen. Damit ist der Zuckerspeicher nicht nur architektonisch, sondern auch im echten Leben des Kehden-Küter-Kiezes angekommen.

Genau das war uns wichtig: ein Haus, das nicht nur schön aussieht und historischen Charme ausstrahlt, sondern genutzt wird und ein ganz selbstverständlicher Teil seiner Umgebung wird.

Upestate x JES = Alten Speicher als Stadtbaustein denken
Entwickelt hat den "neuen" Zuckerspeicher der inhabergeführte Projektentwickler upestate aus Hamburg. Menschen wie Friedrich Bengelsdorf, Rolf Walzel und Gunnar Zachariassen haben den Ort gemeinsam mit Kieler Akteur:innen weitergedacht. Mit JES Socialtecture waren wir von den ersten Schritten über die strategische Positionierung bis zum Bauantrag an der Seite von upestate. Die Idee, den historischen Namen zu bewahren, den Eingang mit dem Lichtbogen neu zu inszenieren und das Erdgeschoss konsequent öffentlich zu denken, war für die Entwicklung des Zuckerspeichers prägend.

Wir freuen uns darauf, weiter zu verfolgen, wie im Zuckerspeicher von nun an gearbeitet, gegessen, gefeiert – kurz: gelebt –  wird!

Wer in Kiel auf der Suche nach Flächen für Büros, Lofts, Ateliers oder Gastronomie ist, wer gerne italienisch isst oder einfach mal vorbeikommen möchte: Weitere Infos zum Zuckerspeicher gibt es hier.

Gunnar Zachariassen, Friedrich Bengelsdorf, Rolf Walzel (v.l.n.r.) bei der Eröffnung des Zuckerspeichers im Juni 2026.

Fotos: Marc Hohner

7. Juli 2025

Projekt-News: Studie „Wissenschaft im Bremer Centrum“

Im Auftrag der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft haben wir eine Studie erarbeitet, die aufzeigt, wie Wissenschaft und Hochschule(n) sinnvoll, sichtbar und dauerhaft im Bremer Centrum verankert werden können. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie kann die Innenstadt zu einem lebendigen „Zukunftslabor“ werden, in dem Bremen gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit entwickelt? Dabei geht es nicht nur um einzelne Gebäude, sondern um ein neues Miteinander von Stadt und Wissenschaft – für nachhaltige Entwicklung, Innovation und gesellschaftliche Verantwortung.

Die Studie ist als Teil des Projektes „Wissenschaft im Centrum“ finanziert mit Mitteln des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Was ist das Ziel?
Das Ziel ist, Bremen als Wissenschafts- und Innovationsstandort weiter zu stärken und die Innenstadt als offenen, vielfältigen Lern- und Lebensraum zu entwickeln. Die Studie schlägt vor, die Innenstadt wie einen Campus zu denken: mit Lernorten, studentischem Leben, innovativen Projekten, Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie neuen Formen der Beteiligung für Studierende und Bürger:innen.

Wie sieht der Weg aus?
Die Studie empfiehlt einen schrittweisen, flexiblen Entwicklungsprozess („Masterprozess“) statt eines Masterplans. So können vorhandene Gebäude und Flächen kreativ genutzt, neue Partnerschaften geschlossen und innovative Formate ausprobiert werden. Die Innenstadt wird zum Experimentierraum – für nachhaltige Stadtentwicklung, neue Lernformen und gesellschaftlichen Wandel.

Was sind die zentralen Themen?

Verbindung von Wissenschaft und Innenstadt: Beide Bereiche sollen enger kooperieren und gemeinsam Verantwortung für nachhaltige Entwicklung übernehmen.
Studentisches Leben: Studierende werden als Mitgestalter:innen der Innenstadt verstanden und aktiv eingebunden.
Wirtschaft und Innovation: Wissenschaft und Wirtschaft profitieren voneinander, neue Ideen und Start-ups werden gefördert.
Vielfalt der Lernorte: Lernen findet nicht nur in Hörsälen, sondern auch in Cafés, Parks, Co-Working-Spaces und öffentlichen Räumen statt.
Nutzung von Gebäuden: Leerstände und bestehende Gebäude werden flexibel für Wissenschaft, studentisches Leben und Gesellschaft genutzt.

Warum ist das für Bremen wichtig?

Die Innenstadt verändert sich. Die Studie zeigt, wie Wissenschaft und Stadtgesellschaft gemeinsam im Centrum Zukunft gestalten können: offen, kreativ, nachhaltig und für alle sichtbar.
Die Perspektivstudie liefert eine Vision und konkrete Handlungsempfehlungen, wie Bremen seine Innenstadt als Campus für alle entwickeln kann – als Ort des Wissens, der Innovation und des gesellschaftlichen Miteinanders.

Als JES-Team können wir mit diesem Projekt einen Beitrag zur zukunftsfähigen Stadtentwicklung und zur Stärkung des Bremer Centrums als Ort des Wissens, der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders leisten.

26. November 2024

Projekt-News: Lernorte entwickeln, die dem Prinzip Leben folgen

Wie können wir zukunftsfähige Bildung gestalten, die dem Leben dient? Diese Frage hat uns auch in 2024 wieder kontinuierlich in unseren Projekten begleitet. So sind wir seit über einem Jahr mit den Hamburger Waldorfschulen auf dem Weg, eine zentrale Oberstufe in der Innenstadt zu entwickeln. Was mit einem co-kreativen Workshop in einem leerstehende Kaufhaus als Initialzündung begann, mündet nun in einer prototypischen Phase. Das Ziel: gemeinsam mit der Schulgemeinschaft Möglichkeiten erkunden und erste Erfahrungen sammeln.

Jetzt feiern wir einen Meilenstein (#hurra): Das Projekt "Ein Schuljahr in der Innenstadt" ist im November 2024 für eine Förderung des Hamburger Programms "Verborgene Potenziale" mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft ausgewählt worden. Im nächsten Sommer geht es los – dann wird die Innenstadt zum lebendigen Lernraum.

Lernen & Stadt: Erfahrungsaustausch in München

Um die Verzahnung von Lernraum und Stadtraum ging es auch in einem Vortrag von Julia Erdmann Ende Oktober beim 3. Netzwerktreffen der Community of Practice zu zukunftsorientierten Lernräumen. Dort hat die JES-Gründerin unter anderem beleuchtet, wie wir Schule und Stadt als Teile eines Ökosystems betrachten können. Die Community of Practice ist eine Initiative des Stifterverbands und der Dieter Schwarz Stiftung.

School Hacks: Unkomplizierte räumliche Lösungen

Kürzlich abgeschlossen haben wir ein Projekt für den Stifterverband. Entstanden ist ein Online-Tool mit zahlreichen School Hacks, die Lehrkräfte und Schüler:innen dabei unterstützen, Lernräume auch ohne große bauliche Eingriffe bedürfnisorientierter zu gestalten.

Schulbau: Lernräume mit Socialtecture

Und zu guter Letzt: Bei der diesjährigen SCHULBAU in Berlin (27. und 28. November) moderierte JES-Partnerin Indra Musiol den Auftakt und stellte an Tag 2 in einem Vortrag den Socialtecture-Kompass anhand konkreter Beispiele vor. Sie zeigte auf, wie sich Lernorte mit den 9 Principles of Life denken, entwerfen und machen lassen. Ein ausgewähltes Prinzip wurde gemeinsam in einem kurzweiligen Workshop vertieft.

Mehr über Socialtecture und die Principles of Life gibt es übrigens im aktuellen SCHULBAU-Magazin.

Stadt, Leben, Lernen – das geht wunderbar zusammen. Wir freuen uns auf mehr in 2025.

Foto Titel: Andreas Gebert


2. Januar 2021

In brand eins: Über Socialtecture

Ab und zu muss man einen Stadtplan einfach mal auf den Kopf stellen." Die Autorin Dorit Kowitz hat in brand eins einen ausführlichen Artikel über Julia Erdmann, Socialtecture und Ideenmeisterschaften geschrieben. Außerdem gibt es Einblicke in die Art und Weise, wie JES arbeitet und tickt.

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14. April 2020

Aus der Krise für die Zukunft lernen

JES-Kommunikationsexpertin Indra Musiol hat für das Online-Magazin mittwochs.online einen Artikel über Socialtecture geschrieben. Darin geht es um die Zeit "nach Corona" und warum Socialtecture als Mindset und Disziplin heute wichtiger ist denn je.

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24. Juli 2019

Socialtecture & Bauhaus

Life is more!

Zum 100-jährigen Bauhaus Jubiläum hat polis, das Magazin für Urban Development, wieder eine Reihe wichtiger Vordenker des Städtebaus versammelt, um über das Thema Moderne zu reflektieren. Mit dabei: Julia Erdmann mit ihrem Plädoyer für eine neue Baukultur.

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18. Mai 2019

Socialtecting Cities

Auf der polis Convention war JES Pate eines Workshops im Stadtlabor: Der co-kreative Impuls „Socialtecting Cities“ regte zum Perspektivwechsel und Querdenken an. Das Ergebnis: ungewöhnliche Ideen für lebendige Quartiere.

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